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Sonntag, 21. Juli 2019
Ausgabe 6544 | Nr. 202 | 18. Jahrgang

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Mein Gehalt als Bauingenieur angemessen? » Seite 6

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Baumensch | 27. August 2018 - 07:10 2018-08-27

@Wolfgang:
Ich bin kein großer Freund von "Stundenlohn" Rechnungen, aber das solltest du dir schon auch mal überlegen. Ich persönlich denke schon so, dass am Ende auch zählt was auf dem Konto ist. Dass du evtl. mehr hast, dafür aber die Wochen 10-15 h mehr arbeitest, ist also durchaus wertbar, sofern man es mag. Ich persönlich habe ein kleines Kind und da ist mir jede Minute wertvoll, die ich zuhause sein kann.

Für die Zukunft würde ich dir empfehlen, bei einer 60 h Woche runterzufahren. Aller Verdienst in Ehren, aber am Ende dankt es dir keiner. Es ist und bleibt Projektgeschäft, und wenn du hopps gehst, dann wirst du ersetzt und keiner denkt mehr an dich (außer als Ausrede für Probleme "Was hat er da wieder gemacht ..."). Hab das schon mehrfach mitbekommen und erlebt, mit genug Erfahrung kommt man da schon mal ins Grübeln, wofür man sich hier verkauft und was man sich antut. Am Ende ist das Leben endlich, und ich persönlich habe lieber 500 € netto weniger und dafür mein Leben gelebt.

Benjamin M.Eng | 26. August 2018 - 13:16 2018-08-26

Bei mir (34, ledig) schaut es wie folgt aus: Werdegang: Realschule, Maurerlehre, Abendgymnasium, Wehrdienst, Studium Bauingenieurwesen mit Masterabschluss. 2 Jahre im Ausland während des Studiums. Ich arbeite seit 4 Jahren in einem größeren, familiengeführtem Bauunternehmen (ca. 80 MA) als Bauleiter (Bayern). Arbeitsweg gerade mal 20 min. mit dem Auto bzw. 30 mit dem E-Bike. Baustellen alle im Umkreis von max. 35 km.

Zu meinem Tätigkeitsfeld gehört Kalkulation, AV und Bauleitung sowie Aufmaß und Abrechnung meiner Projekte. Projekte sind EFH, MFH, kleinere Ingenieurbauten. Aber auch Kleinkram (Keller, Garagen, ...) mit einem Projektvolumen bis zu 1,5 Mio. Arbeitszeit sind im Schnitt 42,5 h/Woche (Sommer mehr, Winter weniger). Arbeitszeit ist in der Regel von 6:00 bis 17:00/18:00. Überstunden werden gesammelt und ausgezahlt bzw. Freizeitausgleich. Es ist aber kein Problem, gerade im Sommer einfach mal schon um 13:00 nach Hause zu gehen.

Einstiegsgehalt waren nach dem Studium 25 €/h. Aktuell bin ich bei 31 €/h. Abgerechnet werden immer 180 h/Monat, der Rest wandert in das Freizeitkonto. Urlaubsgeld nach Tarifvertrag Bau. 30 Urlaubstage. Geschäftswagen habe ich für die Arbeit, aber nicht zur privaten Nutzung. Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß, auch der Umgang im Unternehmen ist super. Deshalb habe ich auch Stellenangebote ausgeschlagen, welche deutlich besser bezahlt sind. Hier ist die Fahrzeugindustrie oder Chemiebranche zu erwähnen, welche mit Jahresgehältern über 80.000 gelockt haben.

Ingsoc | 24. August 2018 - 08:43 2018-08-24

@Wolfgang:
Kleine Rechnung zu deinem "super Verdienst". Ein Freiberufler sollte über den Daumen gepeilt ca. das Doppelte eines Angestelltenbruttogehaltes einspielen, damit beide (Angestellter und Freiberufler) vergleichbar sind. Hat also Kollege angestellt (der, der immer alles versemmelt) ein branchenübliches Gehalt als Bauleiter von 60.000 bis 70.000 EUR plus Auto, so muss der Freiberufler 120.000 bis 140.000 EUR (plus Auto) reinspielen. Er trägt das Risiko (Krankheitsausfälle) und muss alle Versicherungen und Sozialbeiträge selber entrichten. Das kann man ohne grossen Aufwand im Internet abrufen. Also dein Verdienst von ca. 150.000 bis 180.000 EUR brutto wären in Tat und Wahrheit ein 75.000 bis 90.000 EUR Angestelltengehalt, wovon du auch noch dein Auto zahlen musst. Wenn wir nun noch mit dem Faktor 40/60 multiplizieren, fängt es an böse, um nicht zu sagen lächerlich, auszusehen. Dein oberstes Einkommen ist dann nur noch 90 x 40 / 60 = 60.000 auf eine 40 h Basis gerechnet. Wirklich fürstlich. Typisch Bau.

@Maulwurf:
60 h die Woche hält auf Dauer niemand lange durch. Stress und Arbeitsbelastung wachsen exponentiell. Eine 60 h Woche ist nicht einfach die doppelte Belastung einer 30 h Woche, sondern um ein vielfaches höher. Bei solch einer Belastung brauchst du ein angemessenes hohes Einkommen, damit dir einige profane Dinge abgenommen werden. Z.B. eine Putzhilfe, oder genügend Geld um nicht selber kochen zu müssen, sondern Essen zu gehen (und zwar kein Junkfood), dann möchtest du nicht in einem billigen, ständig überfüllten Fitnessstudio sein. Die Reihe lässt sich fortsetzen.

Glücklicher | 21. August 2018 - 22:35 2018-08-21

@Wolfgang:
60 h die Woche bedeutet 12 h am Tag. Geht nur wenn man keine Familie hat oder nichts von der eigenen Familie mitbekommt. Kommt aber am Ende aufs das gleiche hinaus. Muss jeder selbst wissen. Aber es ist durchaus gesund, sich immer mal wieder die Frage zu stellen warum und wozu man das alles macht. Ich selbst bin als Bauingenieur mit 7 Jahren Berufserfahrung in der Energiebranche mit 80.000 EUR Jahresgehalt bei 40 h im Tarif. Überstunden werden gesammelt. Ohne Dienstwagen.

ImmoTom | 21. August 2018 - 14:38 2018-08-21

Ich habe gerade innerhalb der Wohnungswirtschaft (eigener Bestand) gewechselt. Tarifvertrag mit 14 Gehältern, 30 Tage Urlaub, keine Überstunden und 39 h/Woche. Fixgehalt 72.000 EUR und dann noch der Bonus.

Maulwurf | 21. August 2018 - 11:43 2018-08-21

@Wolfgang:
Wenn die Firmen ihre Angestellten gleich besser bezahlen würden, würden die auch weniger anstellen. Dein Geschäftsmodell funktioniert nur so lange, wie du gesund bist. Sobald solchen Einzelkämpfern dann spätestens mit Mitte fünfzig die Luft ausgeht, hat sich's nämlich. Und engangiertes Arbeiten wurde in den letzten zwanzig Jahren in der Branche nicht belohnt, sondern abgesahnt. Es waren ja immer Zwanzig andere da, die es noch billiger gemacht hätten.

Bauwechsler | 20. August 2018 - 23:21 2018-08-20

@Bauing | 15. August 2018: Ich bin im Bereich Automotive, da als nicht leitender Angestellter (aber mit 40 h/Woche). Mit einem 35 Stunden-Vertrag würde ich ca. 10.000 € pro Jahr weniger verdienen - würde aber dann auch jeden Tag um 15.30 Uhr gehen können.

@Wolfgang: Mit deinem Posting verkörperst du all das, was mich (gottseidank) veranlasst hat, die Baubranche zu verlassen. Markige Sprüche (“kein Platz für Freizeitmaximierer und Laumanner” etc.) und diese bauernschlaue Art (wer macht was alle machen, der "Kollege angestellt" hat’s wieder mal versammelt etc.) wirken auf die meisten Menschen die ich kenne doch eher befremdlich als cool. Und, auf die Gefahr hin hier ein Weltbild zu zerstören: deine 120.000 € sind im Konzern ein Teamleitergehalt. Bei absoluter Jobsicherheit, einer Arbeitsbelastung die deutlich unter 60 Stunden liegt, guten zusätzlichen Sozialleistungen, Kinderbetreuung, Fortbildungsmöglichkeiten, überschaubarer Reisetätigkeit, 30 Tagen Urlaub im Jahr und vor allem: einem respektvollen Miteinander.

Wolfgang | 17. August 2018 - 15:32 2018-08-17

Jetzt habe ich das erstmals hier gelesen, und musste schmunzeln. Wer macht was alle machen, der bekommt auch was alle bekommen.

Wie zum Teufel kann man denn als Bauleiter mit 35 bis 40 Stunden hinkommen? Ich habe ja schon 50 Stunden zu tun, um die uns fehlenden Poliere zu kompensieren. Dazu kommt noch die darüber angesiedelte Arbeit als Bauleiter. Somit habe ich eigentlich immer ca. 60 Stunden die Woche. Und jetzt kommts: Als freiberuflicher Bauleiter streiche ich ca. 150.000 bis 180.000 € / Jahr ein. Natürlich habe ich für alle Abgaben, Steuern und Versicherungen selbst zu sorgen. Es entspricht aber immer noch einem Angestellten-Gehalt von ca. 120.000 € Brutto im Jahr. Leute, ihr müsst engagiert arbeiten, dann wird das auch was. Für Freizeitmaximierer und Laumänner ist auf dem Bau kein Platz. Wenn die Leistung top ist, dann ist Geld kein Thema; das kommt von alleine.

Ich für meinen Teil werde nur noch gerufen, wenn es der "Kollege Angestellt" versemmelt und verbaselt hat. Wenn die Termine kaputt sind und die Qualität suboptimal ist. Ab einem bestimmten Level ist man Troubleshooter, und das lassen sich die Firmen einiges kosten. Es wird nicht mehr nach dem Honorar gefragt, es wird auf das Potential für Verlustminimierung geschaut. Wenn ich einem GU 1 Miollion sparen kann, dann ist mein Honorar 5x erwirtschaftet. Ich koste kein Geld, ich erspare Ausgaben. Und genau dafür nehme ich mein Honorar und verteidige es auch.

Wer macht, was alle machen...

Bauing | 15. August 2018 - 19:57 2018-08-15

@Bauwechsler:
In welcher Branche bist Du denn da jetzt? Was hast du dann studiert?

Bauwechsler | 15. August 2018 - 09:50 2018-08-15

Wenn ich sehe, wie hier die kleinen Gehälter gefeiert werden ("48.000 - 55.000 € p. a. mit 5 Jahren Berufserfahrung") bin ich gottfroh nach meinem Bachelor im Bauwesen die Reissleine gezogen und mich noch einmal umorientiert zu haben. Habe mit 5 Jahren Berufserfahrung nun rd. 85.000 € Jahresgehalt mit der Option auf weitere (deutliche) Gehaltszuwächse in naher Zukunft, damit bin ich in meiner Branche aber nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Projekting | 10. August 2018 - 07:24 2018-08-10

Im zweiten Jahr im Ingenieurbüro, direkt nach der Uni ohne Berufserfahrung. Master Abschluss an der Uni: 48.000 Euro Jahresgehalt bei 13 Gehältern. 40 h die Woche und 28 Urlaubstage. Überstunden können ausgezahlt oder abgefeiert werden.

Civil-Engineer | 09. August 2018 - 09:08 2018-08-09

Die Situation ist doch ganz einfach: Wer bereit ist, Einsatz zu zeigen, räumlich flexibel und reisebereit ist, kann auch viel verdienen. Wer eher auf "work-life-Balance" bedacht ist eben nicht (vor 20 Jahren bei meinem Berufseinstig gab es diesen Ausdruck noch nicht). Führungskräfte wie ich (ich leite ein Ingenieurteam mit 30 Mitarbeitern) haben deshalb mit dieser Art der Schonhaltung ihre Probleme. Zur Zeit stelle ich verstärkt räumlich flexibele Mitarbeiter aus dem (europäischen) Ausland ein, bezahle aber ortsüblich. Und das liegt im größeren Ingenieurbüro bei Mitarbeitern mit etwa fünf Jahren Berufserfahrung bei etwa 48.000 bis 55.000 Euro p.a. Dazu kommt (bei Reisebereitschaft) ggf. ein Dienstwagen oder eine Bahncard 100.

Bei überregionalen Einsätzen übernehmen wir die Kosten für eine Dienstwohnung in angemessenem Umfang. Der "Verdienst" (da steckt das Wort "dienen" drin) steigt mit zunehmender Erfahrung, Einsatzbereitschaft, etc. Oder es bewegt sich halt nicht analog zum Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin.

derBachelor | 09. August 2018 - 07:53 2018-08-09

M 29, Bachelor Bauingenieurwesen, 0,5 Jahre Fachbauleitung mit 2.500 € Brutto Gehalt, danach Branchenwechsel mit IG Metall-Tarif. Nach 3 Jahren mit ca. dem Doppelten als Bruttogehalt monatlich + Sonderzahlungen und 35 Std./Woche, Überstunden als Freizeit.

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