Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 21. Juli 2019
Ausgabe 6544 | Nr. 202 | 18. Jahrgang
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Nachgefragt bei: Markus Becker (Fortsetzung)

# 26.06.2019

Dipl.-Ing. Markus Becker von der Berthold Becker GmbH - Jeder Bauingenieur tickt in seiner beruflichen Praxis anders. Arbeitsabläufe und Planungen gestalten sich je nachdem, worauf der Einzelne Wert legt, unterschiedlich. Um den individuellen Eigenschaften erfolgreicher Ingenieure auf die Spur zu kommen und ihre Tipps und Hinweise für den Beruf für andere nutzbar zu machen, heißt es bei bauingenieur24 einmal im Monat "Nachgefragt bei ...". Bauingenieure und Experten ihres Faches liefern dabei im Interview aufschlussreiche Antworten zu unseren Fragen.

Dipl.-Ing. Markus Becker ...

Dipl.-Ing. Markus Becker ist Geschäftsführer der Berthold Becker GmbH mit Sitz in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Foto: IB Becker Dipl.-Ing. Markus Becker ist Geschäftsführer der Berthold Becker GmbH mit Sitz in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Foto: IB Becker

... ist Geschäftsführer des 1968 gegründeten Familienunternehmens Berthold Becker GmbH mit Sitz in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Das Büro für Ingenieur- und Tiefbau betreut Kunden im Bereich Infrastruktur, speziell auf dem Gebiet des kommunalen Tief- und Straßenbaus.

Im Juni 2018 veröffentlichte Becker zusammen mit Guido Quelle das Buch "Die Wahrheit liegt vor der Baggerschaufel – Wie Infrastrukturprojekte wirklich gelingen" (siehe Quellen und Verweise).

Herr Becker, was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

Unter dem Stichwort "Projekt 2023" vollziehen wir bis zum genannten Jahr einen internen Generationenwechsel. Innerhalb unserer "Infrastruktur-Mannschaft", wie ich unser Team gerne nenne, wird dabei die gesamte Führungsriege schrittweise verjüngt.

Die beteiligten Mitarbeiter steigen jeweils um eine Position auf, beispielsweise vom Bauleiter zum Oberbauleiter. Ausscheidende Kollegen gehen nicht etwa einfach, sondern bleiben der Firma nach Möglichkeit als "Diamant-Mitarbeiter", etwa für einen Tag in der Woche, erhalten. Die oft langjährigen Kunden und Partner wissen dies sehr zu schätzen.

Des Weiteren bin ich aktuell an der Erstellung einer neuen DIN beteiligt. Es geht dabei um einen Standard für Sekundärdaten im Tiefbau. Auf der Grundlage dieses Standards wird der Umgang mit verarbeiteten Infrastrukturdaten und deren Digitalisierung in Zukunft vereinheitlicht.

Als erfahrene Tiefbauexperten bieten wir mit unserem hausinternes Start-up localexpert24 eine eigene digitale Plattform für die Speicherung und den Austausch von Infrastrukturdaten, für welche die neue DIN ebenfalls einen Rahmen bieten soll. Mithilfe von gespeicherten Bild- und Tonaufnahmen von und über Tiefbaumaßnahmen sichert localexpert24 nicht nur wertvolle Primär- und Metadaten, sondern persönliches Know-how und Berufserfahrung aller mitmachenden Kolleginnen und Kollegen.

Es geht also um das Sichtbar- und Hörbar-Machen des vorhandenen Wissens durch die Mittel der Digitalisierung und Vernetzung. Es dauert zwar, bis man in einem relativ trägen Markt wie dem Bauwesen etwas Neues platziert hat. Dank der immer stärkeren Etablierung von BIM hat sich aber localexpert24 von einem "Facebook für Tiefbauer" hin zu einem Planungsmodul für viele weitere Akteure entwickelt. localexpert24 beschreibt, was BIM bedeuten kann.

Als ganz persönliche und einmalige Herausforderung engagiere ich mich nicht zuletzt als Gesamtprojektkoordinator für die rheinland-pfälzische Landesgartenschau 2022 in meiner Heimatstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Wir haben dieses Interview im Jahr 2013 schon einmal mit Ihnen geführt (siehe Quellen und Verweise, d. Red.). Welche neuen Aspekte haben Sie seither in Ihrem Beruf kennen gelernt?

Nach wie vor bereitet es mir große Freude, Ingenieur-Projekte zu strukturieren. Ich liebe einfach das ingenieurmäßige Arbeiten. Neu hinzu kam die Rolle als Start-up-Gründer sowie als Autor meines ersten Buches "Die Wahrheit liegt vor der Baggerschaufel".

Bei beiden Projekten agiere ich nicht fernab meines Metiers, sondern ich bekräftige damit meinen Willen zur Leistungsführerschaft im Bereich Tiefbau und Infrastruktur. Mir geht es in allem was ich tue um einen Mehrwert durch Leistung und nicht, wie vielleicht bei manch anderem, durch den besten Preis oder schiere Größe.

Mit meinem Buch, welches im letzten Jahr erschienen ist und ausdrücklich kein Lehrbuch sein soll, will ich ein klein wenig dazu beitragen, dass das Bauen besser gelingt. Dabei geht es mir um zwischenmenschliche Beziehungen und Erfahrungen sowie Dinge, die man nicht an der Uni lernt.

In zehn Kapiteln zeichnen 40 authentische Baustellengeschichten verschiedene Macht- und Rollenspiele nach. Gleichzeitig gibt es dem Leser auch einige theoretische Ansätze und Tipps in Unternehmensfragen meines Co-Autors Guido Quelle mit auf den Weg.

Bei meinen regelmäßigen Vorträgen erfahre ich viel Zuspruch. Die Leute schätzen die Klarheit und die damit verbundene Praxistauglichkeit meiner Aussagen. Es freut mich sehr, die Berufsgruppe in dieser Form und Qualität tatsächlich zu erreichen.

Welche Wege geht Ihr Unternehmen in punkto Personal?

Wir sind im Laufe der Zeit von einem kleinen Büro in der privaten Wohnung zu einer gestandenen Firma gewachsen. Heute gehören 40 Mitarbeiter zu unserer internen Infrastruktur-Mannschaft. Ein Drittel der Mitarbeiter kommt aus der eigenen Ausbildung als Bauzeichner oder Bürokaufmann sowie als Werkstudenten zu uns. Ein weiteres Drittel stammt aus dem Netzwerk der Mitarbeiter, weitere Mitarbeiter konnten wir über die sozialen Medien gewinnen.

Als Inhaber des regional verwurzelten Familienbetriebs zählt für mich die räumliche Nähe ganz besonders. Daher schaue ich mir Bewerber aus der Region immer genauer an als den Rest. Ich möchte gerne die Arbeitswege kurz halten und damit schon von Beginn an zur Zufriedenheit und Motivation der Belegschaft beitragen.

Zudem versuche ich als Chef neben den individuellen Talenten auch die private Lebenssituation jedes Einzelnen zu hinterfragen und zu berücksichtigen. Innerhalb der Projektarbeit gilt es dann, die passenden Kunden- und Mitarbeitertypen zusammen zu bringen, um so das Optimum zu erreichen.

In Sachen Mitarbeiterführung vielleicht ein Beispiel: Ein Mitarbeiter konnte seine Rente gar nicht abwarten. Auf die Frage, warum das so sei, kam heraus, dass ihm das zweitägige Wochenende nicht zur Regeneration reicht. Wir haben daraufhin die Wochenarbeitszeit angepasst. Der Mitarbeiter ist dem Unternehmen und seinen Kunden daraufhin weit über das normale Renteneintrittsalter hinaus treu geblieben.

Somit bieten wir vor allem mit flexiblen Arbeitszeiten und (Alters-)Teilzeitmodellen sowie Homeoffice-Tagen sehr gute Rahmenbedingungen, in deren Genuss Frauen und Männer gleichermaßen kommen.

Auf wen hören Sie beruflich?

Ich lege besonderen Wert auf die Meinung langjähriger Kunden und ehemaliger Werkleiter sowie Unternehmerpersönlichkeiten aus meinem Netzwerk.

In welche (Informations-)Technik investiert Ihr Unternehmen?

Wir haben zuletzt ein neues und damit leistungsstärkeres Tachymeter (Vermessungsgerät, Anm. d. Red.) mit insgesamt fünf integrierten Kameras zur Vermessung im Straßenbau erworben.

Das Gerät ist anschlussfähig für die Weiterverarbeitung der Daten in BIM, womit wir uns diese Planungsmethode wieder ein Stück weiter aneignen.

Unsere Investitionen in die Online-Plattform localexpert24 sehe ich als konkretes Resultat unseres mittelständischen Umgangs mit der Digitalisierung. Denn um was geht es letztlich dabei, wenn nicht um das nutzbringende Sichtbarmachen von Daten durch neue Technologien.

Am Anfang mag unsere Idee manchem als Spinnerei vorgekommen sein. Nach und nach wird man jedoch neugieriger, bis es schließlich um die ganz pragmatische Anwendung des Tools im Berufsalltag geht, zunächst mit Standard- und später auch mit Sonderprojekten.

Vor kurzem konnten wir das Unternehmen Strabag, bekanntlich ein Schwergewicht in Sachen Tiefbau in Deutschland, als Kooperationspartner gewinnen. Dies zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Demokratie ist langwierig und träge und damit grundmenschlich. Für die Frage der Infrastruktur sind kurze Legislaturperioden und die Urwahl eher hinderlich. So kommt es zu der aktuellen Situation, dass zwar das Geld für wichtige Infrastrukturprojekte, wie den Glasfaserausbau im ländlichen Raum, vorhanden ist, der politische Wille aber recht häufig und stark schwankt.

Als Unternehmer finde ich es problematisch, wenn man seitens der Politik mittelständische Wirtschaft und Neugründungen haben möchte, gleichzeitig aber den Spielraum sehr stark einengt bzw. die Unterstützung von Gründern nur kurzfristig und damit wenig nachhaltig erfolgt.

Zu viel Bürokratie und formelle Vorgaben, wie zum Beispiel umfangreiche Regelungen zum Datenschutz oder berufsgenossenschaftlichen Belangen, schränken Unternehmen und Behörden und damit die Umsetzung von Baumaßnahmen zusätzlich ein. Das muss sich ändern.

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Ich halte mich durch Messen sowie Fachartikel und Blogs auf dem Laufenden und betreibe Weiterbildung zum Thema Führung und Strategie.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

In Urlauben mit meiner Familie tanke ich neue Kraft. Auch der Austausch mit befreundeten Unternehmern hat auf mich ausgleichende Wirkung.

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